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Projektreise: Ethiopia is calling

März 2014: Ein Reisebericht von Onejiru
 

 
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Verbindung
Der "Ruf" vom Viva con Agua Team kam gerade perfekt. Wir, VcA und SISTERS (SISTERS haben sich zusammengeschlossen, um sich politisch und sozial zu Themen wie Gender, Rassismus, Bildungs- und Umweltpolitik zu engagieren) arbeiten an einem gemeinsamen Bildungsprojekt und jetzt kommt die Gelegenheit, Projekte vor Ort zu besuchen.
Einige Tage zuvor trete ich in der Roten Flora beim "Solidance für Lampedusa" auf. In dem Moment weiß ich noch gar nicht, dass ich knapp zehn Tage später in Äthiopien, der "Wiege der Menschheit", sein werde. Olli von Silly Walks habe ich gerade kennengelernt. Das nächste Mal sehen wir uns schon am Flughafen: ETHIOPIA IS CALLING.

Nach einer sanften Landung können wir auf dem Flughafen in Addis Ababa endlich afrikanischen Boden betreten. Zunächst das Visum abholen, danach das Gepäck, um sich dann schließlich die frische Brise auf ca. 2400 m Höhe ü.N.N. um die Nase wehen zu lassen. Da bleibt einem hier und da, bei dem Höhenunterschied im Vergleich zu Hamburg, schon mal die Luft weg. Draußen begrüßt uns das hiesige Welthungerhilfe-Team. Nach kurzem Kennenlernen geht es gleich weiter zum Hotel. Nach und nach treffen alle ein. Auf dem Weg zum Hotel sieht man, dass Addis im Bau-Boom ist. Hier tut sich einiges.

In Äthiopien ist Fastenzeit. Das lädt uns dazu ein, das traditionelle Gericht "Injera" in einem lokalen Restaurant zu bestellen. Die Zubereitung der Fastenspeisen findet ohne tierische Produkte statt. Injera ist ein aus gesäuertem Teffmehl zubereitetes Fladenbrot. Dazu werden verschiedene Linsen- und Kohlgerichte gereicht, die mitunter mit Berbere gewürzt sind, eine äthiopisch-eritreische Gewürzmischung mit ordentlich Schärfe. Gegessen wird mit der rechten Hand. Hier beginnt schon unsere erste WASH-Lektion. Händewaschen will gelernt sein. Seife ist Pflicht und beim Waschen den Daumen nicht vergessen, der gehört schließlich auch zur Hand. Gemeinsames Essen, ich schaue auf lauter glückliche Gesichter. Am morgigen Tag erwartet uns unser Konzert im Goethe Institut, mein erstes Konzert auf afrikanischem Boden.

  Erstes Viva con Agua-Konzert in Äthiopien

Der Platz auf dem Goethe Institut-Gelände füllt sich und man spürt die freudige Erwartung aller. Gentleman, Tamika und Ivy Quianoo sind auch zu der Gruppe gestoßen und wir können es alle kaum abwarten, loszulegen. Silly Walks eröffnet das Konzert und ich komme als erste hinzu.

Während der ganzen Reise haben mich meine Erinnerungen als kleines Mädchen begleitet, das Leben in der Nähe von Nairobi, die Entbehrungen und den Mut, den mir meine Großmutter vorlebte. Ihr habe ich vieles zu verdanken. Zu einer Zeit, in der es als Ausnahme galt, dass Mädchen die Schule besuchen, hat sie sich mutig gegen die gesellschaftlichen Konventionen gestellt. Sie hat erreicht, dass die Beschneidung von Mädchen in ihrer Familie als Tabu akzeptiert wurde. Gemeinsam mit anderen Frauen hat sie das heute bekannte Mikrokreditsystem ausgeübt, das es den einzelnen Frauen damals schon ermöglichte, unabhängig ihren Lebensunterhalt und den der eigenen Familie zu bestreiten. Ihr widme ich diesen Auftritt und singe das Lied, das sie mir als kleines Mädchen beigebracht hat."KARUKUNGU".

Karukungu bedeutet sinngemäß "aufgewirbelter Staub" und steht sinnbildlich für die Widrigkeiten, die Entbehrungen und die Sehnsüchte der Frauen, die ihr mageres Einkommen als Tagelöhnerinnen während der Kolonialzeit bestreiten mussten. Ich freue mich das Lied meiner Großmutter hier zu teilen und ich spüre, dass die Kraft dieses Liedes auch hier ankommt. Karungu begleitet uns auf unsere Reise von Addis nach Sodo, nach Shashemane und wieder zurück nach Addis.

  Musik ist eine universelle Sprache. Die unterschiedlichen Musikstile sind für mich wie Dialekte dieser Sprache. Auf dieser Reise ist die Hauptsprache Reggae. Reggae ist eine Haltung, sogar Teil einer Religion. Reggae spiegelt die Sehnsüchte vieler Menschen wider. Auch jene aus der Diaspora, deren Urahnen vom afrikanischen Kontinent gestohlen, verschleppt und versklavt wurden. Mit Reggae lässt sich die Stärke eines geeinten Kontinentes und ihrer Kinder ausdrücken. Shashemane steht als wahr gewordenes Symbol der Entrechteten auf eigenes Land: "Repatriation". Dass wir in Shashemane ein Konzert geben dürfen, ehrt uns und ich nehme großartige, wenn auch mitunter gedämpfte Erwartungen mit nach Hause.

Projektbesuch bei Freunden in Sodo

Zuvor jedoch machen wir uns auf dem Weg nach Sodo, zum ersten gemeinsamen Brunnenbauprojekt von Viva con Agua und der Welthungerhilfe (WHH).
ALLE INFORMATIONEN ZUM WASSERPROJEKT: Sodo. Hier hat die Zusammenarbeit in Äthiopien begonnen. Der erste 80m tiefe Brunnen wurde 2008 eingeweiht. Sodo ist eine Streusiedlung mit ca. 2500 Einwohner. In Sodo möchte die Welthungerhilfe gemeinsam mit den Bewohnern zeigen, dass die Millenniumentwicklungsziele (MDGs) umgesetzt werden können.

Wir werden vor dem Kulturhaus des Dorfes begrüßt, ein prächtiger Bau. Wir werden wie alte Freunde empfangen. Freunde, die man lange nicht gesehen hat, auf die man sich freut und wir sind dankbar für diese Warmherzigkeit. Aus dem schönen, mit Stroh gedecktem Kultur-Rundbau strömt der Duft von frisch gerösteten Kaffeebohnen. Wir teilen Brot und trinken den köstlichen Schnaps, der uns gereicht wird. Die Begrüßungszeremonie rührt mich zutiefst. Die Erinnerungen aus meiner Kindheit vermischen sich mit dem hier Erlebten. Ich sehe mich, wie ich selbst als kleines Mädchen Wasser holen musste. Der überdimensioniert große Eimer aus dem ich keinen einzigen Tropfen verschütten durfte, den ich kilometerlang schleppen musste. Das kostbare Wasser, an dem alles Leben hängt.

Ich stehe der "Entwicklungspolitik" grundsätzlich kritisch gegenüber. Mit Augenmaß, Dialog und Teilhabe derer, die es angeht, kann man aber auch sehr Gutes erreichen. Für die Bewohner Sodos hat sich ein Traum erfüllt und die Lebensqualität, insbesondere der Frauen, die für die Wasserversorgung zuständig sind, hat sich verbessert. Die Bewohner wünschen sich, dass ihren Nachbarn das gleiche Glück zuteil wird!

Irgendwann höre ich eine Zahl, welche die prekäre Lage der Frauen im Globalen Süden wiedergibt. Laut UN MDG-Report 2012 beträgt "der zeitliche Aufwand, [nur der Frauen] um Wasser zu holen täglich 16 Mio. Stunden je Gang (Hin- und Rückweg)".

Afrika und jedes Land dieses Kontinents im Einzelnen stehen vor großen Herausforderungen, die Chancen sind aber ebenso groß. Alle, die die Möglichkeit haben, diesen Kontinent bereisen zu können, können auch Botschafter sein, um hierzulande ein neues, zeitgemäßes Afrika Bild jenseits des "Almosenkontinents" zu zeichnen. 

Auch in Sodo spielt am Abend die Musik in verschiedenen Dialekten einer universellen, wunderbaren Sprache. Wir lernen lokale Tänze und Gentleman singt ein traditionelles Lied aus seinem Heimatdorf Köln. Der Sternenhimmel über Sodo, gestreift von Sternschnuppen ist, traumhaft und zum Greifen nahe. Die Mondsichel liegt auf dieser Hemisphäre wie ein Lächeln über uns. Die gesammelten Erfahrungen nehme ich wieder mit nach Hause und teile es mit jedem, dem ich begegne. Wasser für Alle!

DANKE an alle Reiseteilnehmer & Partner von ETHIOPIA CALLING!

Onejiru

facebook.com/Onejiru

 
 

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